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last update: 2001-04-01

Zincum-phosphoricum - 
der unzufriedene Kritiker

Zusammenfassung und Erläuterungen zu einer Arzneimittel-Begegnung

Olaf Posdzech


Inhalt

Der Stoff
Zinkphosphat in Medizin und Naturheilkunde
Schwerpunkte der Prüfung
Ein Patientenfall
Verständnis des Mittels als Salz
Bezüge zu anderen Arzneimitteln
 
 
 

 

Der Stoff


Zinkphosphat ist das Phosphor-Salz des Zinks. Seine Summenformel lautet Zn3(P O4)2 * 2 H2O.

Bei Zimmertemperatur ist es ein unspektakulär aussehendes weißes Pulver, das in seiner Konsistenz an Milchzucker erinnert.

Der Stoff spielt in Wirtschaft und Medizin eine eher untergeordnete Rolle. Die einzige nennenswerte Verwendung, die mir bekannt ist, liegt in der Farbenindustrie. Zinkphosphat ist ein Grundbestandteil korrosionsschützenden Anstriche für Eisen. Die Zinkphosphat-Pigmente werden Epoxidharzen und anderen Bindemitteln beigegeben, damit die Anstriche besser auf dem Metall haften. Sie bilden einen Film, der den Stahl aktiv vor äußeren Einflüssen wie Wasser und Luft schützt. Damit wird seine Korrosion verhindert.

Auch in der in [1] dokumentierten Verreibung wurde Zinkphosphat als ein Stoff wahrgenommen, der sich intensiv um das Thema der Grenzfläche dreht. Eine zentrale Frage war dabei: Wie weit lasse ich mich durch die Einflüsse von außen in meinem inneren Kern beschmutzen? Was kann ich dem Äußeren entgegensetzen, das ich als nicht passend zu meinem eigenen Wesen erlebe?
Dabei zielt die Antwort beim Zinkphosphat überhaupt nicht darauf, sich von diesem äußeren hermetisch abzugrenzen, sondern es geht im Gegenteil darum, dass der Patient mit diesem Konflikt in einem intensiven Kontakt verbleibt. Beides – das Abgrenzen gegenüber dem Fremdeinfluss wie auch die Haftung und somit die Hilfe, sich diesem Fremdeinfluss aussetzen zu können finden wir in der "Signatur" der Zinkphosphat-Rostschutzfarbe.
 
 

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Zinkphosphat in Medizin und Naturheilkunde

Eine direkte medizinische Verwendung von Zinkphosphat ist dem Autor nicht bekannt. In der Zahnmedizin wird Zinkphosphat-Zement verwendet, um Gold-Inlays in die Zähne zu zementieren. Man kann sagen, dass Zinkphosphat auch hier dazu dient, zwei sich dem Wesen nach unterschiedliche Stoffe in Kontakt zu bringen – so wie es in der homöopathischen Gabe die Eigenschaft hat, den Patienten in Kontakt zu halten mit einem System oder Menschen, welches seiner Empfindung nach nicht ganz zu ihm passt, obwohl er es andererseits mag.
Der Patient braucht dabei die nicht passenden Verhältnisse so zu seinem eigenem Wachstum, wie der Zahn das "nicht passende" Fremdmaterial Gold für sein Funktion braucht, obwohl es in seiner natürlichen Ordnung nicht vorgesehen ist.

In der Roten Liste (Ausgabe 2001) ist Zinkphosphat als Inhaltsstoff für Arzneimittel gar nicht aufgeführt. Als Mineralstoff wird Zink dem Körper in Form anderer Zinksalze angeboten (Zinksulfat-Brausetabletten, Zinkaspartat-Injektionen und andere). Es gibt ein "Regenerationspräparat für den Mann" aus Hodenextrakt, dem Zinkphosphat in geringer Menge als eines von mehreren Spurenelementen zugesetzt ist (OkasaN®). Außerdem habe ich ein Stärkungsmittel für Pferde gefunden, dass neben anderen Phosphaten auch Zinkphosphat enthält (Toniphoscal). Insgesamt kann man aber sagen, dass Zinkphosphat als Arzneistoff keine besondere Bedeutung hat.

In der Homöopathie ist Zinkphosphat nur durch Kent näher beschrieben worden (wenige Ergänzungen von Clarke, Hughes & Dake sowie Scholtens).[2] Das Arzneimittelbild blieb demnach – bewertet mit unserem heutigen Anspruch an das Verständnis der seelischen Dynamik – weitgehend im Dunkeln.
Ein Vorteil dieses fehlenden Vorwissens ist, dass wir die Atmosphäre während der Berliner Zinkphosphat-Verreibung (2001) dadurch als authentisch und unvoreingenommen ansehen können, auch wenn drei der vier Teilnehmer wussten, dass sie Zinkphosphat verrieben.

  

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Schwerpunkte der Prüfung

 

Die Dynamik von Zincum-phosphoricum

Abbildung 1: Das Mittel repräsentiert die Mitte, aus der die Zyklen geschöpft werden.

Phase 1
Abgrenzung, Introspektion, Eigen werden
Der Stoff führt dich zunächst ganz zu dir selbst, grenzt dich von den anderen ab. Du wirst ganz Eigen. Die Oberflächenspannung steigt. In diesem Zustand nimmst du wahr: etwas passt nicht zwischen mir und meiner Umgebung!
 
 
 
 

Phase 2
Unbehagen, Rationalisierung und Externalisierung
Dieser wesensmäßige Konflikt schafft ein Unbehagen, ein unzufriedenes Gefühl. Um dieses Unbehagen nicht spüren zu müssen, wird das ursprüngliche Gefühl abgespalten und der Konflikt rationalisiert. Er wird vom Verstand umgemünzt zu einem Fehler der anderen (des Partners/ des Systems). (In diesem Stadium begegnen uns meist die Patienten).
Dadurch wird man, obwohl man zuvor ganz Eigen war, nun ganz unverbunden mit sich. Das Unwohlsein wird noch ansatzweise gespürt, aber der Konflikt ist externalisiert auf die Fehler der Anderen. Das ist der Krankheitszustand von Zincum-phosphoricum.
Der Geist ist jetzt nur noch damit beschäftigt, Fehler bei den anderen zu finden. Du sagst ständig Sätze zu den Anderen wie "Dein Fehler ist dies und jenes...". Du suchst die Antwort für eine Lösung, dafür, was sich zu ändern hätte in deinem Geist. Doch der Geist verliert sich auf dieser Suche in einem unendlichen Weltengebilde.
 
 
 
 

Phase 3
Absichtloses verbleiben im Nicht-passen
Die homöopathische Gabe des Mittels bewirkt, dass der Geist völlig ausgeknockt wird. (Insofern wirkt es wie eine Droge, die dir den Verstand nimmt.) Der Stoff sagt: "Dies ist jedoch hier eine Heilwirkung und völlig beabsichtigt, denn nur so werdet ihr euch in euerem Wesen konfrontieren." Zugleich setzt das Zinkphosphat jetzt die Oberflächenspannung herab. Die Verschmutzung, die Makel und Fehler der anderen dürfen jetzt in dich hinein und konfrontieren dich. Gleichzeitig wird dein innerer Kern gestärkt, dem etwas entgegenzusetzen.

Der Sinn der Sache ist, sich nun ganz aus dem eigenen Wesen, aus dem Bauch heraus diesem Spannungszustand des nicht-zueinander-passens auszusetzen und dabei im Kontakt mit dem Problem zu bleiben. Der Verstand kann in dieser Geschichte überhaupt keine Antwort herbeiführen, da sie wesensmäßig aus sich entstehen muss.
 
 
 
 

Phase 4
Die Antwort besteht in etwas Neuem, einer neuen inneren Wahrnehmung des Systems oder deiner selbst (oder beider), die irgendwann schlagartig als eine Transformation einsetzen wird. Die Art der Transformation ist dabei vorher nicht absehbar.
 

So wird ein Fehler, eine Unwucht, ein Gegensatz, ein Konflikt zu einer Triebkraft einer inneren Entwicklung. Ausgedrückt wird dies durch den Archetyp des Fünften Elements, das als Unwucht ein in sich abgeschlossenes, harmonisches System aus vier Elementen stört. Es muss schließlich eine neue Ordnung entstehen, in der das Fünfte Element mit eingebaut ist. Diese ist heil und perfekt, bis wieder ein neues störendes Fünftes Element auftaucht.
 
 
Dieses Phasenmodell möchte ich im Folgenden mit einigen Zitaten aus der Verreibung illustrieren. Besonders deutlich wurden dieser Zyklus im Erleben von Teilnehmer 1, der in den verschiedenen C-Stufen sämtliche dargestellten Phasen durchleben musste.
 
 
 
 
 

Phase 1 – Abgrenzung, Introspektion, Eigen werden


Der Stoff führt die Person zunächst ganz zu sich selbst, grenzt sie von den anderen ab. Man wird ganz Eigen.

Die Oberflächenspannung steigt. In diesem Zustand nimmt man wahr: etwas passt nicht zwischen mir und meiner Umgebung!


 
 
 

Phase 2 – Unbehagen, Rationalisierung und Externalisierung


Dieser wesensmäßige Konflikt schafft ein Unbehagen, ein unzufriedenes Gefühl. Um dieses Unbehagen nicht spüren zu müssen, wird das ursprüngliche Gefühl abgespalten und der Konflikt rationalisiert. Er wird vom Verstand umgemünzt zu einem Fehler der anderen (des Partners/ des Systems). (In diesem Stadium begegnen uns meist die Patienten).
Dadurch wird man, obwohl man zuvor ganz Eigen war, nun ganz unverbunden mit sich. Das Unwohlsein wird noch ansatzweise gespürt, aber der Konflikt ist externalisiert auf die Fehler der Anderen. Das ist der Krankheitszustand von Zincum-phosphoricum.
Der Geist ist jetzt nur noch damit beschäftigt, Fehler bei den anderen zu finden. Man sagt ständig Sätze wie "Dein Fehler ist dies und jenes...".
 
 

Man sucht die Antwort für eine Lösung, dafür, was sich zu ändern hätte im Verstand. Doch der Geist verliert sich auf dieser Suche in einem unendlichen Weltengebilde.

Abbildung 2: Sich mit dem Verstand seiner Seele nähern wollen ist wie der unendliche Weg in das Apfelmännchen

Phase 3 – Absichtloses verbleiben


Die homöopathische Gabe des Mittels bewirkt, dass der Geist jetzt völlig ausgeknockt wird. (Insofern wirkt es wie eine Droge, die den Verstand nimmt.) Dies ist jedoch hier eine Heilwirkung und völlig beabsichtigt, denn nur so werden wir uns in unserem Wesen konfrontieren, aus dem Bauch heraus konfrontieren, ohne in den Verstand zu gehen.
Bezeichnender Weise trat dieses Symptom der Benommenheit und des nicht-Denken-können bei allen Verreibern erst in der C3 auf, in der normalerweise das geistige Ebene eines Mittels ihren Höhepunkt erreicht.

Obwohl sich im Zinkphosphat die C3 so leer anfühlt, liegt das Wesen des Stoffes trotzdem zugleich genau auf dieser Ebene. Denn die geistige Leere ist hier genau die Heilwirkung und das Wesentliche! Die Krankheit von Zincum-phos liegt ja gerade darin, dass der Patient auf der C3-Ebene (der Verstandes-Ebene) versucht etwas zu verstehen, das eben noch gar nicht verstanden werden kann.

Mit der Benommenheit und "Dummheit" steigt zugleich die Bereitschaft, ja Freude daran, die Verschmutzung, die Makel und Fehler der anderen nun in sich hinein zu lassen und sich damit zu konfrontieren. Das Zinkphosphat setzt jetzt die Oberflächenspannung herab.

Gleichzeitig wird der innere Kern gestärkt, dem etwas entgegenzusetzen.

Abbildung 3: Von außen holt der Stoff die Verunreinigung herein, von innen stärkt er zugleich die Kraft, dem etwas Eigenes aus meinem Kern heraus entgegenzusetzen

Das Ergebnis bzw. der Sinn dieser 3. Phase ist, sich nun ganz aus dem Bauch heraus dem Spannungszustand des nicht-zueinander-passens auszusetzen und dabei im Kontakt mit dem Problem zu bleiben.

Der Verstand kann in dieser Geschichte überhaupt keine Antwort herbeiführen, da sie wesensmäßig aus sich entstehen muss.


 

Phase 4 – Transformation


Die Lösung dieses Konflikts des Nicht-Passens, die Antwort besteht in etwas Neuem, einer neuen inneren Wahrnehmung des Systems oder seiner selbst (oder beides), die irgendwann schlagartig als eine Transformation einsetzen wird. Die Art der Transformation ist dabei vorher nicht absehbar.
Ein schönes Beispiel für eine solche Überraschung ist die Geschichte von der Fliege, die Teilnehmer 4 in der C2 erzählte.

Erlebt hat diese Transformation seiner selbst in der Verreibung nur einer von uns – und auch das nur für einen kurzen Moment. Dieser Moment aber war gigantisch. Er schien ihn für einen kurzen Augenblick in eine völlig veränderte Wahrnehmung von sich selbst zu stoßen, die Etwas in ihm befreite und ihn zutiefst erschütterte. Im Nachhinein fiel uns auf, dass dieses Durchbrechen in eine andere Dimension, in etwas Neues sich uns zuvor schon in anderen Bildern gezeigt hatte (die wir in den früheren Verreibungsstufen jedoch noch nicht einordnen konnten).

Abbildung 4: Das Mittel tritt mich plötzlich von hinten – und dann haut es mich raus!

Und Teilnehmer 4 ergänzte

Abbildung 5: Teilnehmer 4 sah den Grundriss eines Hauses und erlebte das Hindurchgehen von einem Raum in den nächsten, wobei kein Rückweg möglich war.

Das fünfte Element, die leere Mitte

Zinkphosphat zeigt uns einen Weg, wie ein Fehler, eine Unwucht, ein Gegensatz, ein Konflikt zur Triebkraft einer inneren Entwicklung wird. Ausgedrückt wird dies durch den Archetyp des Fünften Elements, das als Unwucht ein in sich abgeschlossenes System aus vier Elementen stört. Es entsteht schließlich (unter Wachstumsschmerzen) eine neue Ordnung, in der das Fünfte Element mit eingebaut sein muss. Diese ist dann heil und perfekt, solange, bis wieder ein neues Fünftes Element auftaucht.

Abbildung 6: Das Mittel repräsentiert die Mitte, aus der die Zyklen geschöpft werden.

Dadurch diesen immer wieder erforderlichen Einbauprozess werden die Zyklen im Leben geschaffen. Die Ursache dafür liegt im immer wieder neu auftretenden und zu integrierenden Fehler, welcher – da er immer wieder eingebaut wird – als solcher gar nicht erkennbar bleibt. Deshalb scheint es uns so, als sei die Mitte leer, aus der dieser Fehler wirkte.

Das "Fünfte Element" wurde nicht nur in den Dialogen aufgegriffen, nachdem es von Teilnehmer 2 gleich am Anfang ins Gespräch gebracht worden war, sondern es zeigt sich auch in einige Bildern – also auf einer Ebene, die wir alle während der Verreibung mental noch gar nicht durchschauen konnten. Ein solches Bild ist der Hexenring, der sich im Wesen aus seiner "leere" Mitte heraus entwickelt.

Abbildung 7: Eine runde Scheibe, ein Hexenring


 
 

Absolutheitsanspruch


 

Grenzfläche, Luftblasen, Oberflächenspannung, Seife

 
T2:
Normaler Weise komme ich wie so Sprudel in das Wasser rein und bin dann immer noch ein bisschen geistig dabei, wie so ein Bläschen, ein Kohlendioxid-Blässchen. Aber jetzt merke ich nur noch Taumel, Schwindel und im Strudel drin
Normalerweise fühle ich mich wie diese Luftbläschen im Sekt, die nach oben perlen, die sozusagen "drin" sind und alles genau sehen aber selber haben sie etwas nicht berührbares. Und hier habe ich das Gefühl, zum ersten Mal platzt dieses Ding auf, und zum ersten Mal muss ich mich mit dem Wasser verbinden. Und das hat mich ziemlich fertig gemacht. Als ob ich betrunken bin. Normaler weise als Luftbläschen kann dir nicht mal der Alkohol was, du kommst da auch hoch und kannst es dir angucken, die ganzen Molekülchen.
T3: (ertappend) Also löst das auch die Grenzen von den Luftbläschen auf! (lacht)
T2: Gut, wenn du es so willst!
T3: Bist du sicher, wir verreiben nicht Pril oder sowas? Was die Oberflächenspannung löst? (kichert)
T4: Du hältst ja deine Oberflächenspannung ganz gut bis jetzt!

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Ein Patientenfall

Witold Ehrler erzählte: "Ich hatte vor einigen Monaten einen Anruf. Mich hat eine Frau angerufen aus Westdeutschland. Sie hat gesagt, sie verschleißt alle Homöopathen, die beißen sich an ihr die Zähne aus. Und sie habe von mir gehört, ich wäre die letzte Rettung. Sie hat mir dann erst einen langen Brief geschrieben und mir dann am Telefon noch einmal ein halbe Stunde lang erzählt. Ich sagte dann ‚Pass auf, jetzt legen wir mal auf. Ich brauche eine halbe Stunde, um das zu verdauen. Es ist harte Kost.‘
Im Grunde war ihr ganzes Erzählen davon durchwoben, das sie unheimlich bemüht und liebevoll ist, und zugleich aber immer wieder sagen muss: ‚Das geht so nicht!‘, und immer wieder raus springt. Und dass sie im Grunde auch jeden Therapeuten so fertig macht. Weil immer alles Gute, was er ihr tut ist dann doch plötzlich wieder falsch. Und er kommt so nicht weiter. Dann bin ich in mich gegangen und habe dann gedacht: ‚Das ist Zincum-phosphoricum!‘
Ich habe sie dann angerufen und habe gesagt, ich hab da ein Mittel. Ich habe es noch nicht verrieben, aber ich habe Zink verrieben und ich habe Phosphor verrieben, und es muss irgendetwas dazwischen sein. Dieses Liebevolle und dann wieder dieses Heraus und Hinein.
Dann hat sie sich Zincum-phosphoricum in der Apotheke bestellt und hat dann nach zwei Wochen mir wieder einen Brief geschrieben und gesagt, es wäre das erste Mittel, das ihr wirklich hilft! Ich habe geantwortet, es wäre noch viel besser, als es nur zu nehmen, es auch einmal zu verreiben. Ich habe sie dann auch hierher eingeladen. Aber wie es so bei Zinkum-phosphoricum ist – sie hat mir dann alle paar Tage einen Brief geschrieben, sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt, sie kommt nicht, sie kann nicht kommen, sie muss kommen, ... Dann habe ich irgendwann gesagt: ‚Mach es, wie du willst! Mir ist das scheißegal, ich warte dann nicht drauf, wir machen das einfach!‘"

 

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Verständnis des Mittels als Salz

Rajan Sankaran hat unsere Wahrnehmung dafür geschult, dass wir die Salze gut verstehen können, indem wir uns ihre Problematik zusammengesetzt vorstellen aus den Themen ihrer beiden Einzelbestandteile. Meist hängt der Patient dabei in einem der beiden Pole fest, und das andere chemische Element erweist sich als der Retter oder Helfer, indem es im Salz nun dem Patienten eine zweite Qualität schenkt, an der es ihm mangelt.
Bei den Natrium-Salzen beispielsweise geht es um das überstarke Bindungsbedürfnis des Natriums. Der Patient hat das Gefühl, ohne einen anderen Menschen (einen Bindungspartner) nicht lebensfähig zu sein. Im Natrium-muriaticum schenkt nun das Chlor die Qualität der Flüchtigkeit, der Beweglichkeit, des Loslassen-Könnens. Bei Natrium-sulfuricum wiederum liegt die hilfreiche Qualität in der Ich-Stärkung durch das Sulfur. Interessanter Weise werden hier die "kranken" Eigenschaften von Chlor und Sulfur im Salz plötzlich zu hilfreichen Qualitäten.
Natürlich haben wir uns gefragt, ob eine solches Zusammenwirken der beiden unterschiedlichen Qualitäten auch im Salz Zinkphosphat erkennbar ist. Im Zink kennen wir das Bild vom ewig unzufriedenen, reizbaren und unruhigen Menschen. Nichts stellt ihn zufrieden, über sprichwörtlich alles in seinem Leben muss er sich beklagen (Morrison). Alle diese Eigenschaften waren auch während der Verreibung präsent – und doch war etwas anders. Irgendwie schien in die Auseinandersetzung – obwohl sie mit so viel "böser Freude am Fehler des Anderen" durchgeführt wurde – so etwas wie die Qualität der Liebe oder des Miteinander-Wachsens hinzugekommen zu sein. Phosphor mit seinem Hang zur ständigen Verschmelzung mit dem Anderen scheint hier in die Streit- und Unzufriedenheits-Problematik vom Zink eine vermittelnde Qualität einzubringen, die den Kontakt herstellt.
Der Zincum-phosphoricum-Mensch krankt zwar daran, dass seine Verhältnisse nicht zu seinem Wesen passen, dass irgendetwas nicht stimmt. Und im kranken Zustand wird er sich mit dem Verstand auch einreden, dass dies einzig auf die Fehler der anderen zurückzuführen ist, die einfach nicht seinem Sein entsprechen. Aber trotzdem bringt er die Bereitschaft mit, in diesem Konflikt zu bleiben und sich eigentlich eine Veränderung im Kontakt zu wünschen. Der Wunsch, das System zu verlassen, die Partnerschaft zu verlassen liegt ihm eigentlich fern, weil er spürt, dass die Wurzel für seine Unzufriedenheit in seinem tiefsten Sein eingebaut ist – als ein "Fehler", den möglicherweise er selbst hat. Also die Liebe ist da – trotz allem Zynismus und der bissigen Bemerkungen – und sie zeigt sich darin, dass der Patient im Kontakt bleibt mit dem abgelehnten System und nicht weggeht! (Weggehen ist keine Lösung bei Zinkphosphat sondern es führt nur dazu, dass man den Konflikt in einen anderen Wirkungskreis, in eine andere Partnerschaft mitnimmt.)
Zink repräsentiert also hier die Wahrnehmung des Fehlers, des Nicht-passens aus dem tiefstem Sein heraus und die Unzufriedenheit. Phosphor schafft zugleich die Voraussetzung dafür, im Kontakt mit diesem Nicht-Stimmen bleiben zu können, bis irgendwann eine Transformation, eine Verformung stattfinden wird

 

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Bezüge zu anderen Arzneimitteln

In der Verreibung aufgetretene Assoziationen zu anderen Mitteln


 
Anacardium
 
 
Arsen  
 
Astacus  
 
Menthol  
 
Mercur  
 
Platin, Platin-Metalle, Rhodium  
 
Sulfur
T2 Und dann kam noch der Gedanke: Wenn man dieses Mittel mit Schwefel verbinden würde, das müsste der Höhepunkt sein! Weil wenn der Fehler mit dem Falschen zusammen trifft, das müsste der Höhepunkt sein! 
T4:  Also ich dachte irgendwann mal zwischendurch auch, dass es vielleicht ein Mittel für Sulfuriker ist.
T2:  Nur der Schwefel nimmt ja den Fehler gar nicht wahr. Der hat ja mit sich gar kein Problem! 
Und hier bist du ja der Schuldige! Du weißt ja, dass du der Fehler bist. Das ist etwas ganz anderes. (c4)
 
 

Schlange: Naja

 
 
Sperma  
 
Tuberkulinum
T1: Ja. Mir ist aufgefallen, dass so mein blinder Fleck sozusagen ist, dass ich den Bodenkontakt verliere. Jetzt fühle ich mich bei dieser Verreibung voll so! Da frage ich mich jetzt also: Ist das das Thema von dem Stoff, dass man so seinen Bodenkontakt verliert? Oder ist das Thema von dem Stoff, dass man an seinen eigenen Fehler kommt?
T3: Erinnerst du dich an die Bacillinum-Verreibung? Da war das ja auch so, da konntest du auch nicht unter Wasser kommen.
T1: Ja, das stimmt. Aber da dachte ich, das ist ein Tuberkulinum-Problem. (c2)
T2:  Das ist bei dem Mittel doch gar nicht so schlimm. Es gibt doch Menschen, die immer so unzufrieden sind mit allem. 
T1: Stimmt. Man könnte da wirklich an Tuberkulinum denken. 
T3:  Wobei Tuberkulinum mehr Grenzen sucht! Die müssen ja immer an die Grenze. Das ist ja das Tuberkulinische. 
Hier habe ich das als Grenze gar nicht empfunden, sondern nur als selbst programmiertes Denken, diese Enttäuschung. 

 
 

 

Kurzübersicht über Arzneimittel, die einen Bezug zum Zincum-phos-Bild haben

 

Mittel, die die Bewältigung eines Konflikts im Verstand suchen

 
Anac ein unerträglicher innerer Konflikt, in dem jedoch der Patient selbst beide Seiten des Konfliktes repräsentiert; resultiert in Minderwertigkeit und Grausamkeit (Morrison)
Cocain dummdreist und emotionslos (er meint, er hat sowieso Recht)
Crotalus streitet gar nicht erst, denn er weiß es besser; keine soziale Bezugnahme
Ign kann sich für kein Modell entscheiden, was denn nun falsch sei in ihrem Leben
Lach der Verstand dient zur Rechtfertigung des Gefühls, sie wäre benachteiligt
Lyc möchte Recht behalten, um sich mächtiger und größer zu fühlen
Merc-met Was außerhalb von mir nicht stimmt, kann man nur in die Luft sprengen!
Naja Sucht die endgültige Antwort, was nun richtig für sie sei in fremden (esoterischen) Lehren und Konzepten
Zinc-met unzufrieden, merkt dass etwas nicht stimmt; es hat bei ihm etwas Endgültiges, keine Lösung in Sicht
Zinc-phos fühlt sich unwohl und unzufrieden, möchte aber eigentlich im Kontakt bleiben und eine Veränderung herbeiführen

 
 

Andere Mittel mit Bezug zu Zincum-phos

 
Astacus führt dich zurück auf das eigene Wesen (ohne den Aspekt der Transformation)
Carcinosin verdrängt den Konflikt auf die körperliche Ebene, will ihn nicht wahrnehmen (Zinc-phos verdrängt in die geistige Ebene)
Tuberk Gott hat einen kleinen verzeihlichen Fehler gemacht und ihn an die falsche Stelle gesetzt; will Grenzen spüren, um sich darin zu spüren (da geht es mehr um das Spüren, als um die Transformation)

 


Quellenangaben:
 

[1] Olaf Posdzech; Protokoll der Zincum-phos Verreibung in Berlin; 2001
[2] Seideneder; Mitteldetails der homöopathischen Arzneimittel; Auflage 2000
[3] Die Reise in die Apfelmännchen-Fractale wurden erzeugt mit dem Programm "Fractal Developer" von Jürgen Reischer 

© für alle Grafiken: Olaf Posdzech 2001

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